Chapter 7 – Tire Salad
: quickly off and on
Hamburg hat uns wieder
Und ja, leider hat uns auch das Wackeln noch. Ich hatte ja kurz die romantische Hoffnung, dass sich das Problem irgendwo zwischen Stockholm, Linköping und den schwedischen Pisten heimlich schämt, seine Koffer packt und dann einfach in einem Wald verschwindet.
So nach dem Motto: „Sorry Leute, war nett, aber ich bleib jetzt hier und werde Elch.“
Aber nein. Das Wackeln sitzt wieder mit auf dem Beifahrersitz und ich sitze da und denke mir: Das ist wirklich schade, weil ich eigentlich ziemlich gut darin bin, Dinge zu reparieren, indem ich sie einfach lange genug ignoriere. Manchmal funktioniert das. Wirklich. Nicht oft, aber oft genug, um sich falsche Hoffnungen zu machen.
Nun gut. Wenigstens haben wir einen Ansatz. Reifen oder Felgen oder beides. Und damit zurück zur Reifen-Fachwerkstatt unseres Vertrauens.
Wiedersehen mit den Leuten, die uns noch kennen
Felgen sind da. Reifen sind da. Und es sind auch noch die gleichen Leute da, wie beim letzten Besuch.
Perfekt. So fühlt sich das an, wenn man bei seinem Lieblingsbäcker auftaucht, nur dass hier niemand Brötchen verkauft, sondern Räder und Lebensqualität.
Und ja, wir sind offensichtlich immer noch Thema in der Bude.
Unsere schusssicheren Reifen haben einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Ich sage mal so: Manche Kunden kommen mit Fragen, wir kommen mit Geschichten.
Nach einem kurzen Schnack über unsere Schweden-Odyssee und natürlich unseren legendären Einsatz als Pannenhelfer, weil man ja nicht jeden Tag ein Wohnmobil aus dem Graben zieht, geht es direkt an die Arbeit.
Schrauben, wuchten, hoffen
Räder ab.
Neue Reifen auf die neuen Felgen.
Auswuchten.
Anschrauben.
Alles läuft so routiniert und geschniegelt ab, dass ich kurz überlege, ob wir nicht einfach hier einziehen sollten.
Warmes Licht, kompetente Hände, klare Abläufe. Ein Traum.
Und dann kommt der Moment, der über alles entscheidet: die Testfahrt.
Die Testfahrt, die uns zeigen wird, ob wir jetzt ein Auto mit tollen Felgen und tollen Reifen haben, das immer noch wackelt, oder ob wir obendrauf auch noch ein Problem loswerden.
Die Testfahrt
Wir rollen vom Hof.
„Unfassbar“, denke ich nach 20 Metern. „Es wackelt rein gar nichts.“
Dann fällt mir ein: Wir fahren gerade auch nur 40. Das ist ungefähr so, als würde man sagen: „Der Land Rover ist leise“, wenn er ausgeschaltet ist.
Wir schlängeln uns durch die Kleinstadt. Alles ruhig. Alles gerade. Keine Vibrationen, kein Zittern, kein Disco-Tanz.
Und dann erscheint dieses Schild wie ein Versprechen:
Autobahn.
Rauf da.
Und jetzt wird es interessant.
40, 50, 60, 70, 80, 90, 100.
Was ist hier los?
Ja, vielleicht nichts. Einfach gar nichts.
Der Wagen fährt, wie ein Wagen fahren soll. Nichts wackelt. Nichts schüttelt. Er rollt einfach über den Highway, als hätte es nie ein Problem gegeben. Als wäre der ganze Spuk nur ein Gerücht gewesen. Als hätte der Disco selbst irgendwann gesagt: „Okay, reicht jetzt.“
Ich schaue meinen Beifahrer an:
"Woran hat et jelegen? Lag das jetzt an den Reifen, an den Felgen, am Auswuchten oder was?“
Antwort:
„Das werden wir wohl nie erfahren.“
Land Rover eben. Selbst die Lösungen sind manchmal mystisch.
Der nächste Plan wächst schon wieder
Und weil wir Menschen sind, die nicht lange ohne neues Projekt können, kommt sofort der nächste Gedanke:
Was machen wir jetzt mit den alten Dingern?
Ganz einfach. Ich setze einen Shop auf die Homepage und packe sie da rein. Wer sie haben will, kann sie kaufen. Nachhaltigkeit auf die Spitze getrieben und so.
Coole Idee.
Dann können wir auch noch andere Teile reinpacken, die wir nicht mehr brauchen.
Sehr gut. Der Plan steht. Natürlich steht er.
Der Discovery zwingt einen quasi dazu, kreativ zu werden.
Siegergefühl auf vier Rädern
Wir jubeln bis nach Hamburg und ich muss wirklich sagen: Es ist faszinierend, wie sehr das Lösen eines scheinbar kleinen Problems die Laune nach oben schießt.
Plötzlich gehen wir im Kopf die Befürchtungsliste durch und streichen Dinge weg.
Reifen? Check. Felgen? Check. Wackeln? Weg.
So fühlen sich Sieger. Und so fühlt sich, zumindest für einen Moment, auch unser Land Rover.
Wenn jetzt irgendwann noch die Scheiben drin sind, dann ist wirklich ein großer Weg gegangen.
Klar, ein Land Rover Discovery 2 hat immer überraschende Abzweigungen, die keiner kommen sieht.
Und manchmal stehen da sogar Schilder mit der Aufschrift „Warum?“.
Aber jetzt gerade fühlen wir uns gut. Und der Land Rover fühlt sich auch gut an.
Nächster Stopp ist dann Carglass.
Wir melden uns.









